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Umformung

Chimera Collective, Lukas Glinkowski, Christian Holtmann, Florian Huber, Penny Monogiou, Franziska Reinbothe

31. Juli – 09. September 2020

Die Ausstellung Umformung ist eine Reaktion auf die aktuellen Ereignisse. Die Zeit reflektierend, die unser Leben auf unterschiedliche Weise beeinflusst, präsentieren wir Kunstwerke die durch diese geprägt oder auf sie anwendbar sind. Die Ausstellung thematisiert einen noch nicht abgeschlossenen Prozess, der in Mitten der Veränderung und Entwicklung steht.

In der Arbeit von Lukas Glinkowski werden Fragmente der Menschenrechte verarbeitet, dabei zitiert er den Bahnhof Westhafen in Berlin. Im Herbst 2000 hat die belgische Künstlerin Françoise Schein die hohen Wandflächen hinter den Gleisen mit 20 Kapiteln der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte beschriftet. In 2017 haben Graffitisprayer die Kacheln teilweise übersprüht, was den Anlass für Glinkowskis Arbeit darstellt. Der grundlegende Gesetzestext tritt in den Hintergrund, wie es in der Gesellschaft ebenfalls zu beobachten ist.

Christian Holtmann thematisiert den Wandel der Zeit. Spielerisch greift er die Ankündigung „The New Times“ heraus und findet sowohl im geschichtlichen Bezug als auch in der aktuellen Debatte Anklang. In seiner Anspielung legt er den Fokus auf die USA, wo dieser Kampf für einen Umschwung in Aufständen und Demonstrationen ersichtlich ist. Stellen sie wirklich einen Wendepunkt dar und wenn ja, wohin führen uns „The New Times“? Haben sie die Kraft uns den Spiegel vorzuhalten und alles auf den Kopf zu stellen?

Gesellschaftskritik ist der thematische Kern der Arbeiten von Florian Huber, der insbesondere durch das Hinterfragen der Vergänglichkeit einen aktuellen Bezug findet. Doch auch wenn die Materialien der Werke und ihre Erscheinung so unterschiedlich sind, bleibt sich der konzeptionell arbeitende Künstler in seiner Wahl der Themen stets treu. Florian Huber widmet sich der Umformu(lieru)ng anhand der Frage, wann ein Ding nicht mehr bloßer Gegenstand ist, sondern Teil eines Kunstwerks.

Bei den auf Flaggen Bezug nehmenden Arbeiten von Penny Monogiou handelt es sich bei genauerem Hinsehen um Ansammlungen kleinteiliger Gegenstände. Politische und gesellschaftliche Missstände finden hier Interpretationsspielraum, wie beispielsweise die in Wellen angeordneten Gummibärchen als Thematisierung der Flüchtlingskrise.

Franziska Reinbothe nutzt den Begriff der Umformung für ihre Arbeiten, die im Prozess eine neue Gestalt finden. Die klassische Leinwand wird gedehnt, gefaltet, gebrochen und zerschnitten um letztlich eine neue Erscheinung zu erhalten. Die Beschreibung Acryl auf Leinwand erhält plötzlich eine ganz neue Bedeutung.

„Das Gefühl etwas verpasst zu haben“ beschäftigt das Künstlerkollektiv Chimera. Dabei geht es insbesondere um die soziokulturelle Veränderung durch die Maßnahmen der letzten Zeit. In Form von Leuchtschrift weisen sie auf das Ausbleiben von Treffen, Reisen oder Veranstaltungen und erschaffen so einen Moment des Innehaltens – Haben wir etwas wirklich verpasst?

Die Arbeiten der Künstler*innen haben die Funktion eines Kommentars über die Umformung, die wir durchleben.